Ritzen

Du fühlst Dich leer und hilflos in dieser Welt
Deine Sinne treiben Dich zu einem Gedanken
Du schließt Dich ein, wo Du ganz ungestört sein kannst
Du nimmst die Rasierklinge aus Deiner Hosentasche
Du lässt sie erst ganz langsam über Deine Haut fahren
Diese zeigt die rosa Spuren, doch das reicht nicht
Deine Arme sind vernarbt, die Striemen findest Du hässlich
Doch Du kannst nicht anders und willst es auch nicht
Du drückst Dir mit Kraft die Klinge in den Leib
Die schneidet eine Öffnung, die immer länger wird
Du spürst den stechenden Schmerz, es tut richtig weh
Dir wird schlecht, wie fast immer
Du siehst helles krümeliges Fleisch
Das vermischt sich mit warmen Blut, das fließt und fließt
Der Schmerz lässt nach, eine Benommenheit erfasst Dich
Du fühlst Dich erleichtert und lebendig
Du hast es wieder mal geschafft
Die Welt hat Dich vorerst zurück

Die, die nicht verstehen, dass Du sterben willst und leben
Die, die Dich zum Essen zwingen, wenn Du es doch nicht ertragen kannst
Die, die erschrocken schauen, wenn Du Deine Hände auf die glühende Herdplatte legst
Die, die Dich entsetzt ins Krankenhaus fahren, wenn Du Nägel geschluckt hast
Die, die Dich dem Leben ungeschützt aussetzen, Dich allein lassen
Die, die von Dir nur verlangen, aber keine Liebe geben wollen
Die, die Dir Bedingungen stellen für ihre Zuwendung
Die, die nicht wissen, wie sehr Du Dich nach Zärtlichkeit sehnst
Die, die sagen, dass die Welt schlecht ist, sich aber gut in ihr eingerichtet haben
Die, die wollen, dass Du so wirst wie sie

Dein Nein und Dein Schmerz ist alles, was Du hast

 

Zurück zu den Texten