Ruhm

Der Wille, unsterblich sein zu wollen, ist der Wille, wirklich gelebt zu haben, unabhängig von der Lebenszeit auf Erden, die eher gefühlte Zeit in Ketten zu legen, das eigene Gesicht in die Erinnerung zu meißeln wie einen Stempel in das Netz der Ewigkeit, unseren Kompass, der Nichtwissen durch Weltgeltung verortet.

Ruhm scheint wie eine Verheißung, an das Zentrum des Weltenlaufes angekoppelt, die Spur des Eigentlichen als unhinterfragbaren Extrakt, eine universale Rückversicherung, daß das, was wir tun, vollendet und unfehlbar sei.

Zeigt uns der Tod doch in seiner gnadenlosen Unwiederbringlichkeit sein irdisches Antlitz als schon fast eine Schluderei im Untergang mit dem Leiblichen, gilt unserem diesseitigen Dagegensteuern die Vorstellung einer Folgezeit, die die Vergangenheit rückstrahlend ganz in die Abbildung unserer Eigengesetzlichkeit gleich einer Verbannung in das Überdauern ist.

Ohne das Vorhandensein auch nur einer Ewigkeit, wäre das lebendige Tun, nicht nur nicht denkbar, auch der Grund des Ganzen hätte nicht diese Form erwirkt, die jeweils im Einzelnen verwirklicht ist, und auch durch ihn selbst seine eigene Wirklichkeit als Bestimmung erfährt, auf den dunklen Straßen der Erkenntnis und im flutlichtendem Bann des Machbaren.

Einem Sonnenmeer gleichen die Konturen der Macht, einer Blendung das Streben nach Ruhm und Ehre; die Angst, die uns termitenhügelhaft behaust, gibt den Blick nicht frei in die Einfügung der Daseinskoordinaten des Sinngehalts.

Wie zwielichtige verhangene Wolken türmen sich die Glaubensbekenntnisse über unseren Köpfen
und regnen ihre Last auf uns hinab, unbarmherzig verschlingen die Strudel den Strom des Eigentlichen.

Einmal in den Malstrom gestürzt, scheint töten sinnvoll, eine Schneise zu schlagen in den augenlosen Spiegel, eine einzige endlose Gewissheit, zu sterben, um leben zu können.

Die Trauer ist das letzte Band, das den Selbstmordattentäter zurückrufen könnte.

 

Zurück zu den Texten